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Ein aktueller Stimmungsbericht von Helge Sobik aus Südamerikas Seebad Nr.1  
Es ist die Schickeria des Kontinents, die hier ihre wochenlange Südhalbkugel-Sommerparty feiert. Sie tut es unter den Augen all der Anderen, die nicht da sind, denn „Punta“ hat in den Wochen die grösste Paparazzi-Dichte pro Quadratmeter in Südamerika. Rund eine Viertelmillion Euro lässt allein das argentinische Boulevard-Blatt „Caras“ jede Saison für Aufenthalt und Honorare des eigenen Paparazzi-Teams springen. Vor die Linse bekommen die Prominentenjäger vor allem Models und Filmsternchen aus den grösseren Nachbarländerrn – zur Zeit mit Vorliebe Valèria Mazza, Daniela Urzi, Monica Antonopulos, Ursula Vargues und Diego Torres, dazu alte und neue Fussballstars.

Weil mehr und mehr Urlauber aus der Ferne auf den Geschmack kommen und (noch) keine Villa in „Punta“ besitzen, trifft es sich gut, dass in den letzten Jahren mehr und mehr First Class-Hotels auf der Landzunge zwischen Rio de la Plata und Südatlantik eröffnet haben. Und dass es einige attraktive Boutique-Hotels wie die „Posada Aldila“, wie das „Awa Boutique & Design Hotel“ und das „ Art&Spa Las Las Cumbres“ gibt- alle sogar günstiger als das Häuser vergleichbarer Klasse in Nordamerika, Europa und selbst Südostasiens.
Wer unterdessen nicht freiwillig kommt, wird kurzerhand mit Gage geködert: Der brasilianische Fabrikant Gilberto Scarpa war Spezialist dafür. Gegen Auftrittshonorar hat er schon vor Jahren Cathérine Deneuve zu den Partys in seiner Villa in Punta del Este gelockt, um sich im Licht des Weltstars zu sonnen und nebenbei selber der ersehnten Sprung in die Klatschspalten der lateinamerikanischen Illustrierten zu schaffen.

Die Gäste von Carlos Paéz Vilaró kommen aus freien Stücken. Sie kommen gerne und ohne Gage – Silvester Stallone und Robert de Niro zum Beispiel. Sie sammeln seine Gemälde und Skulpturen, sind bereit, um die 50'000 US-Dollar für das hinzublättern, was der inzwischen über 80 jährige Künstler aus Sonne und Ölfarben zaubert.

Sein Stil verschmilzt unterschiedliche Kunstrichtungen miteinander. Expressionismus und Kubismus sind am deutlichsten herauszusehen, und auch Paéz Vilarós einstiger Lehrmeister und Freund ist unverkennbar: Pablo Picasso. Vormittags schläft die Stadt aus: kaum Verkehr auf der vierspurigen Parada entlang der Dünen und in der Innenstadt, wenige Menschen in den Strassen. Nur die Kellner sind schon wieder aktiv und räumen Tische und Stühle an den Ramblas ins Freie, spannen Sonnenschirme auf und rüsten ihre Beach-Bars an der Playa Brava und der Playa la Pastora für einen neuen 19-Stunden-Tag. Zwei Motorrad-Polizisten fahren fast alleine Patrouille auf Puntas Asphalt. Für die hellgelb lackierten Mercedes-Taxis gibt es noch keine Touren. Erst mittags füllen sich die Strassen und wenig später die Sandstrände, kurven die Limousinen mit Stern oder springender Raubkatze auf der Kühlerhaube auf der Rambla General Artigas Richtung Yachtclub, schauen Flaneure in die Auslagen von Chanel und Gucci, von Prada und Ferragamo, von Chopard und Ralph Lauren an der Fashion-Meile Avenida Juan Gorlero im Zentrum. Reiche fahren ihre hochglanzpolierten Oldtimer spazieren und freuen sich an den Blicken der Pasanten. Rollerblader gleiten in Badesachen die Parada entlang, Cabrios und Jeeps kurven nebenher, und in ihren Autoradios sind Candombe-Combos eingesperrt. Die trommeln sich in die Stimmung für die nächste Partynacht.
Ihre ganze Lebensfreude entfaltet die Stadt bei Dunkelheit: Alle haben dann die Seele mit Sonne vollgesogen und stürzen sich aufs Neue ins Vergnügen. Sie essen in typisch-südamerikanischen Parillada-Grillrestaurants, wo die Steaks tellergross sind. Oder dinieren vornehm in Feinschmecker-Restaurants. Sie feiern bei privaten Pool-Partys, riskieren die Ferienkasse im Casino des „Conrad“. Flirten und tanzen in den Bars und Discos der Szene-Viertels La Barra. Wer es romantischer mag, hockt etwas ausserhalb am Strand, hört an der Playa de la Gruta bei Punta Ballena dem Rauschen der Wellen zu, blickt in den Sternehimmel. Und köpft eine Flasche Champagner.
Als Carlos Paéz Vilaró vor gut einem halben Jahrhundert in den damaligen Fischerort Punta del Este zog, hat er sich aus Holt einen Turm am Meer gebaut, den er irgendwann gegen ein Haus aus Stein austauschte und immer wieder erweiterte. Sein schneeweisser, wabenförmiger Wohn- und Atelierkomplex „Casapueblo“ ist inzwischen mehr als das Wahrzeichen der Sommer-Grossstadt Punta del Este. Das Gebäude ist das Synony, Uruguays und steht so sehr für das ganze Land wie die Oper von Sydney für ganz Australien. Als übereifrige Bürokraten eines Tages Baugenehmigungen für die Erweiterung des Komplexes verlangten, beugten sie sich der Argumentation des Künstlers: „Ich brauche keine Genehmigung“, hat er gesagt. „Denn ich baue kein Haus, sondern eine begeh- und bewohnbare Skulptur.“
Im Gefolge von Paéz Vilaró kamen damals die ersten Prominenten – sein Freund Gunter Sachs, Brigitte Bardot. Auch im Boom erweist die Stadt einem ihrer Wegbereiter die Ehre: Im Pool des grössten Fünf-Sterne-Hotels erstreckt sich Paéz Vilarós Erkennungszeichen, eine stilisierte Sonne, als Fliesen-Ornament über die gesamte Grundfläche.
 

travelshop - basel 

Christian Wagner

(mit freundllicher Genehmigung von TUI/Flextravel)   

 

 

 

 

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