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SOTSCHI
Reisbericht von Christian Wagner 

Wegen der bevorstehenden Winterolympiade ist die russische Stadt Sotschi zur Zeit in allen Medien präsent. Diese Popularität ahnend, bin ich bereits vor anderthalb Jahren an die Schwarzmeerküste gereist und habe danach den folgenden Reisebereicht verfasst.

 
Das Flugzeug senkt sich zur Landung und fliegt von der Meerseite her, der vom Mondlicht fahl erleuchteten Schwarz- meerküste entgegen. So landeten wir mitten in der Nacht auf dem neu erbauten internationalen Flughafen von Sotschi in der russischen Region Krasnodar.  Die fast menschenleere Ankunftshalle wirkte völlig überdimensioniert und vermittelt uns einen ersten Eindruck was für prestigeträchtige Zukunftsvisionen hier von der Regierung Putin realisiert werden sollen. Obwohl wir nur eine handvoll Passagiere waren, schaffte es die russische Behörde locker, dass sich eine stehende Schlange vor dem, nach  typisch altkommunistischer Manier mit Neonröhren, Spiegeln und automatischer Absperrung  ausgestatteten Schalterhäuschen, bildete.
 

Nach einer guten halben Stunde, konnten wir endlich unser Gepäck ab dem Rollband heben.  Der Flughafenneubau steht im Stadtteil „Adler“ dort wo auch das olympische Dorf  und die geplante Formel 1 Strecke, sowie das Stadion für die Fussballweltmeisterschaft 2018 gebaut werden. Mit dem Taxi fuhren wir durch die Nacht, Richtung Hotel Prymorskaya, vorbei an den hell erleuchteten olympischen Baustellen wo rund um die Uhr gearbeitet wird.

Trotz seiner enormen Fläche von über 17 Mio km² verfügt die russische Föderation über keine nennenswerten Badestrände, ausser eben an der  Schwarzmeerküste bei  Sotschi. Die Bergkette des Kaukasus mit seinen bis zu 3500 hohen Gipfeln schützt diese Region vor der Kälte aus dem Norden und schafft hier ein fast schon mediterranes Klima. Begünstigt durch das milde Wetter und dank den heissen Quellen gehört diese Region schon seit vielen Jahrzehnten zum beliebtesten Bade- und Kurort Russlands.

Dieser Popularität verdankt wohl auch unser Hotel seine Existenz. Der aus den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts stammende ehemalige Prachtbau atmet noch aus jeder Fuge, jeder Mauerritze das Lebensgefühl des realen Sozialismus, als hier verdiente Funktionäre Gemüt und Glieder in Wodka und Thermalwasser tränkten. 
Selbst die Polstermöbel in der Eingangshalle scheinen aus der Zeit als Breschnew und Honegger das Zepter noch fest in der Hand hielten. Gewundert haben wir uns nur, dass der  staubige Plüsch dem Zahn der Zeit so lange Stand gehalten hat. Dermassen gewarnt schoben wir unser Gepäck durch die ewiglangen Hotelgänge bis wir in Block 4,  2 Etage unsere Zimmer bezogen. Wie nicht anders erwartet, erinnerte uns das Einzelzimmer in Grösse und Ausstattung eher an eine Zelle in einer Nervenheilanstalt und die abgelebte Einrichtung hätte bestens zur Möbilierung eines cineastischen Horrorschockers gepasst.  Dies alles hatte wahrlich recht wenig mit einem gemütlichen Ferienhotel zu tun.    
 
Klar war uns bekannt, dass im Sog der neu entstehenden Sportanlagen und des zu erwartenden Publikumaufmarsches neue Hotels geplant oder sogar schon realisiert worden sind. 
Doch dort vermissen wir dann wieder den lokalen Kolorit, den typischen Charme. Ein Radisson oder Hilton Hotel sieht nun auf der ganzen Welt immer gleich aus. Zudem lag unser Hotel Prymorskayam, als ehemaliger Platzhirsch, an absolut bester Lage in einem kleinen Park nur 200 Meter vom Strand entfernt. Das war uns wichtiger als der ganze internationale Komfort. 

So verbrachten wir als einzige Westler weit und breit einige entspannte Tage an den groben Stein- und Kiesstränden dieser russischen Touristenhochburg. Besuchten das immer noch  existierende  Wochenendhäuschen von Josef Stalin oder fuhren mit dem Boot aufs Meer. Probleme gab es oft durch die Schrift- und Sprachbarriere und bis zum Schluss verschloss sich uns der Inhalt jeglicher Menukarte,  so dass wir meistens dasselbe bestellten wie unsere russischen Tischgenossen. Wir deuteten dabei etwas hungrig dreinblickend mit dem Zeigfinger auf das Essen unserer Nachbarn und machten mit der Fläche der anderen Hand eine Kreisbewegung über dem Bauch. In den Restaurants wo man uns bereits kannte, bestellten wir der Einfachheit halber das gleiche wie das letzte Mal. Dies klappte meist ganz gut. Einfacher wurde es als wir Dimitri mit seinen moskauer Begleiterinnen Xenia und Nathalia kennen lernten. Der Reporter vom TV-Sender „Channel One“ sendet regelmässig Kurzeportagen aus Sotschi, um die russische Bevölkerung auf die kommenden Grossereignisse einzustimmen. Das Englisch dieses international agierenden Fernsehmannes war perfekt und so erfuhren wir von ihm auch von der gigantischen  Dimension der geplanten Umbauten und Landschaftsveränderung, die in den nächsten zwei Jahren dieser Region ein völlig neues Gesicht geben werden. Ich befürchte,  dass auch unser Hotel Primorskaya ,  dass wir inzwischen mit seinem groben Charme und den ganzen Unzulänglichkeiten fest ins Herz geschlossen hatten, dieser Erneuerung zum Opfer fallen wird.

Als wir Tage später am Flughafen wieder in der Schlange vor dem Schalterhäuschen warteten, wurde uns richtig bewusst, dieses Sotschi,  so wie wir es eben noch erlebt hatten, wird wohl in Kürze verschwunden sein.

 

Christian Wagner
travelshop – basel  

 

Weitere Fotos von Sotschi gibt es auf unserer facebook Seite.

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